Kunst

1. März 2008

RasenstückMit der Kunst ist das immer so eine Sache. Ich meine, die meisten modernen Kunstwerke ergeben durch die reine Betrachtung keinen Sinn. Ein eingerahmter roter Flauschteppich an einer weiße Wand – toll. Dafür zahl’ ich doch keinen Eintritt! Das kann ich selber! Vor einigen Jahren stellte ein Kunstprofessor tausende giftgrüne Plastikhasen auf dem Nürnberger Hauptmarkt auf, eine Reminiszenz zum Geburtstag des berühmtesten Sohnes der Stadt, Albrecht Dürer. Aber warum gleich so viele, und vor allem: warum ausgerechnet aus diesem billigen Material und in dieser übelkeitserregenden Farbe? Der Sinn ist , so der Künstler Ottmar Hörl, das berühmte Hasenstück auf diese Weise den Menschen näher zu bringen. – Ah ja, in Plastik und in grün. Schon klar. Aber es steckt immerhin eine Intention dahinter. Was ich im Falle des eingerahmten Teppichs zu bezweifeln wage.

Nun gut, ich gebe zu: Wenn man sich auf moderne Kunst einlässt, dann lässt sich immer irgendwo etwas tiefgründiges finden. Wenn man seinen Horizont erweitert, erschließt sich oft der größere Hintergrund des Kunstwerks – mal macht das mehr, mal weniger Mühe. Allerdings bleibt immer die Frage im Raum, inwieweit der Künstler das so “geplant” hat oder ob er nicht vielleicht selbst erst durch die Interpretation anderer Menschen den Sinn “entdeckt”. Ich meine mich zu erinnern, dass es in Nürnberg auch ein Projekt gab, bei dem derStuhlturm Installateur freiheraus zugab, dass der Sinn mehr oder weniger egal sei: Der Stuhlturm (Projekttitel: “Auf Wiedersehen!”) verhüllte zur Fußball-WM 2006 wochenlang eines der Wahrzeichen der Stadt, den Schönen Brunnen. So hohl diese Konstruktion im wahrsten Sinne des Wortes war, so unverständlich aber auch die massiven Ablehnungsreaktionen der Bevölkerung. Manche zeigten sehr deutlich, was sie von Olaf Metzlers Kunstwerk hielten: An der Absperrung (man hatte seitens der Organisatoren Angst, dass dem Objekt etwas passiert) fanden sich wenige Tage nach der Errichtung beispielsweise benutztes Klopapier, Kommentare, Fotos von anderen modernen Kunstwerken etc. In den Zeitungen der Region stritten sich die wenigen Befürworter mit den zahlreichen Gegnern darum, ob Nürnberg zu provinziell für Kunst ist.

Und, so oft man  mit Recht von moderner Kunst behaupten kann, dass sie nicht nur hinsichtlich des künstlerischen Anspruchs sondern auch in ihrer Wirkung minimalistisch ist – in diesem Fall war die erzeugte Wirkung erheblich größer als der Stein des Anstoßes. Der durch den ~ 30 Meter hohen Sturm aus Stadionstühlen entfachte Streit um Kunst und Nicht-Kunst war eine Debatte, die in Städten wie Nürnberg selten geführt wird – weil Kunst hier einfach nicht die Rolle spielt, die sie in anderen “Metropolen” längst inne hat. Und Nürnberg wäre gerne Metropole.

Kurzum:  Auch wenn moderne Kunstwerke auf den ersten, zweiten und dritten Blick bescheuert sind heißt das nicht, dass sie nicht irgendwann irgendwie einen “Wert” bekommen – sei es durch die tatsächliche Intention des Künstlers oder durch die Interpretation anderer – oder durch den erzeugten Unmut, der nur beweist wie engstirnig manche Menschen sind. In diesem Sinne: Erweitere deinen Horizont.


Beton

27. Februar 2008

Es vergeht kein Tag, an dem man ihm nicht wenigstens einmal begegnet. Man bekommt ihn meistens nicht zu Gesicht, und wenn doch ist es nicht selten ein hässlicher Anblick. Manchmal geht man auf ihm, bisweilen fährt man auf ihm. Manche wohnen in Gebäuden, die fast nur aus diesem Material bestehen: Beton.

PantheonUnd nicht nur der moderne Mensch verwendet ihn. Schon die Ägypter erfanden ein kalkhaltiges Bindemittel, ohne das die Pyramiden wohl niemals hätten entstehen können. Die Römer mörtelten und zementierten ihren Pantheon – er ist bis heute erhalten. Aber auch in Afrika gibt es beispielsweise Streichflächen, die bis heute keine Risse aufweisen. [1]

Beton ist also, kurz formuliert, ein Steigbügelhalter der Zivilisation. Das ist Grund genug, sich das Material und noch vielmehr das, was damit gebaut wurde und immer noch errichtet wird näher zu betrachten. Pyramide

Nach neusten Studien haben also vielleicht bereits die Ägypter ihre Bausteine gegossen und sie nicht, wie bisher angenommen, aus Steinbrüchen bezogen. [2] Das eindrucksvolle Endprodukt: Die Pyramiden. In ihrer frühen Form beinahe auch optisch eine Treppe zum Himmel, vollendet dann Grab mit konkreter Ausrichtung anhand astrologischer Kriterien – der Übergang des begrabenen Pharao in die Welt der Toten manifestierte sich für die Menschen von Damals in einem gewaltigen Gebäude.

ResidenzWie so vieles verschwand auch der Beton im Mittelalter aus dem Alltag. Erst Ende des 18. Jahrhunderts trat er wieder auf und wurde weiterentwickelt. Im Barock griffen die Baumeister beherzt zu Beton; Balthasar Neumann errichtete die Würzburger Residenz und darin das große Treppenhaus samt weltberühmten Deckenfresko – an einer Betondecke. Dieses trägt bis heute das Kunstwerk und die Dachkonstruktion – und überstand auch deren Einsturz nach dem Bombardement 1945. Und wieder symbolisiert Beton Standhaftigkeit und Macht, Herrschaft, Größe – Übergröße. Ist es also verwunderlich, dass auch diese betonierte Größe irgendwann in sich zusammenfällt – nämlich dann wenn das Innere vollkommen Hohl ist?

BauhausNach 1900 eroberte Beton die Städte: Die Breslauer Jahrhunderthalle – aus Beton, sogar das ganze Dach. Albert Einstein entwarf einen Kühlschrank aus Beton – bis auf den Nachteil des enormen Gewichts (300 kg) vollkommen funktionstüchtig. Bauhausarchitektur – und dann das NS-Regime: Zwar war Beton hier nicht das augenscheinliche und vordergründige Material. Jedoch sollten ja gerade zum Ende hin Bunker den Zusammenbruch verhindern – doch es scheint fast so, als konnte nicht einmal Beton diese fatale Ideologie mehr halten.

Burj DubaiBeton: Schutz- aber auch Trutzburg des Menschen. Behausung. Letzte Zuflucht. Basis für alle Himmelsstürmer. Kühle Eleganz, marode Substanz – gibt es ein Material, das ähnlich viele Facetten aufweist? Auf Anhieb fällt mir nur eine Eigenschaft ein, die man mit nacktem Beton wohl nur schwer in Verbindung bringen kann: Wärme. Wie passend. Betrachtet man moderne Hochhäuser aus Stahlbeton und Glas – was spürt man da schon!? Wäre nicht. Ehrfurcht, Schauder – Angst. Und damit sind wir wieder am Anfang der Geschichte: Beton, das bauliche Manifest der Macht.

Lizenfreie Bilder 1,2,4 von pixelio.de, Bild 3 und 5 von wikipedia.de.


Muse

25. Februar 2008

Ich hatte es ja schon in meinem allerersten Eintrag angesprochen: Wenn ich mir meine Lieblingsblogs durchlese, bewundere ich immer die Kreativität und Ideenvielfalt, die manche Schreiberlinge in jedem Beitrag versprühen. Komischerweise fallen mir die tollsten Beiträge (oder jedenfalls geben sich diese Ideen dafür aus) immer dann ein, wenn ich gerade meilenweit vom nächsten Computer weg bin. Sitze ich dann einmal vor der Eingabemaske und will unbedingt etwas schreiben – dann verlässt mich die Muse meistens. Grund genug, sich einmal näher mit der Muse auseinanderzusetzen:

Wikipedia erklärt,  eine Muse sei eine Person, meistens eine weibliche, die andere Menschen zu kreativen Leistungen anspornt. Und das machen diese Wesen schon eine ganze Weile lang so: Seit der Antike kennen Künstler den “Musenkuss”, beklagen Literaten das Fehlen der göttlichen Eingebung. Denn das vor allem sollten die Musen darstellen: den Eingriff des göttlichen Elements in den Niederungen menschlichen Daseins. Nun, das ist natürlich für mich als ungläubigen Menschen nichts – kein Wunder das die Muse mich nicht küssen mag.

Andererseits waren und sind Musen auch immer reale Personen: Charlotte von Stein inspirierte Goethe, Alma Mahler-Werfel bändelte gleich mit drei Künstlern an und Yoko-Ono war für John Lennon ebenfalls eine Art kreativer Motor. Insofern kann ich also noch auf eine dieser realen “Multiplikatorinnen” hoffen.

Ich möchte aber noch auf eine dritte Form der Muse aufmerksam machen: Die Band Muse. Das 1996 gegründete Trio um Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy hat nicht nur den Namen gemein mit den griechischen kreativitätseinflössenden Damen, sondern auch eben jene Schaffenskraft. Die Musik von Muse ist für mich mehr als einfach nur Musik. Etwas, und ich kann es nicht genau beschreiben, ist bei dieser Gruppe “mehr” als bei anderen. Emotionen:  Jeder Song ein Gefühlsausbruch. Vielschichtigkeit: Jeder Text beherbergt eine Vielzahl an Gedanken. Kraft: Jeder Akkord sprudelt nur so vor Schaffendrang, manchmal auch vor physischer Hingabe (mich würde an dieser Stelle interessieren, wie viele Gitarren Matthew verschlissen hat.). Einfach phantastisch. Insofern habe ich bereits eine wahre Muse gefunden.


Hubraum

22. Februar 2008

Was zur Hölle ist eigentlich Hubraum? Irgendwas beim Automobil, klar. Aber was genau? Eigentlich weiß das doch jedes männliche Wesen dieses Planeten, spätestens beim Autoquartett entscheidet Hubraum sogar über Sieg und Niederlage. Im StudiVZ entdecke ich Sprüche wie “Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Außer durch noch mehr Hubraum.” Und kann dabei nicht einmal den Kopf schütteln – ich weiß wirklich nicht, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich niemals auch nur eine Runde Autoquartett vollendet habe. Ich war und bin keiner von diesen Autofetischisten, dass hat auch der Führerschein nicht geändert. Dadurch weiß ich mittlerweile, wie man einen PKW (theoretisch) steuert; auch in der Praxis klappt das ganz gut. Aber sobald mich jemand nach Hubraum, PS, Kilowattstunden oder irgendeinem anderen Teil fragt, bin ich eindeutig überfragt. Mein ganzes Leben lang haben mich Autos insbesondere deren Technik keinen Deut beeindruckt. Aufgrund dieses massiven Desinteresses auf diesem Gebiet fehlt mir, so scheint es manchmal, im Gespräch mit vielen anderen Männern, jegliche Grundlage.

Natürlich, ich finde bestimmte Modelle schön und andere hässlich. Aber das beruht wirklich nur auf optischen Reizen – nicht aber auf “menschlichen” Zügen, die Autos für manche Männer und Frauen haben: Da ist vom “Arsch” die Rede, vom “Gesicht” oder von den “Kurven”, die ein Auto dann “geil” aussehen lassen. Sorry, ich stehe nicht auf Autos. Ich würde auch nicht im Traum meinen PC oder mein Handy “sexy” nennen. Das sind schließlich Objekte. Mit dem Handy telefoniere ich. Mit dem PC arbeite ich. Und das Auto brauche ich nur, wenn ich von A nach B, wahlweise über C, kommen will. Das war für mich wohl schon im Mutterleib klar, und ich versäumte folglich, mir die wissenschaftlichen Grundlagen über den “Organismus” Auto anzueignen. Wozu auch? Ich wollte nie Mechaniker werden.

Jetzt, da ich mich über die Auto-Religiösität auslasse, interessiert mich auf einmal doch, was Hubraum bedeutet. Nur ganz grob. Also, Wikipedia, hilf mir:

Der Hubraum oder das Hubvolumen bezeichnet für die Zylinder von Kolbenmaschinen das umschlossene Volumen, das sich aus dem Arbeitsweg des einzelnen Kolbenhubes und der wirksamen Kolbenquerschnittsfläche ergibt. Er definiert also das Volumen, das bei einem Motor durch den Hub aller Kolben insgesamt verdrängt wird.

Bitte was!? Okay, das reicht dann wieder mit Technik. Scheint mir genaugenommen auch nicht wirklich wichtig zu sein – Geschwindigkeit und Stauraum eines Autos stellen schon eher etwas dar. Aber warum fasziniert das so viele Männer und Menschen? Verstehen die das auch nicht und geben sich nur gerne als Vollprofi? Oder gehört das zu einer Art kollektiven Sammlung unnützen Wissens? Ich weiß es nicht. Ist mir ein Rätsel. Ich jedenfalls werde weiterhin gegen den Strom schwimmen, und gelegentlich mit meinem ganz persönlichen unnützen Wissen glänzen können: Während ich Autoquartett versäumt habe, habe ich mich nämlich in Sachen Puppen weitergebildet.


Hallo

20. Februar 2008

Ja, Hallo erstmal…

…ich entleihe mir einfach mal diese prägnanten Worte eines deutschen Komikers um mein Blog einzuweihen. Hallo, ihr da draußen. Hallo Welt, schön dass du vorbeischaust. Oder auch nicht, so genau kann man das ja nicht wissen. Wenn aber doch jemand meine Einträge lesen sollte, freut mich das natürlich. Komisch, jetzt da ich ein eigenes Blog besitze fehlen plötzlich die Worte, die mich in Gedankenform dazu gedrängt haben, endlich zu bloggen.

Ich meine, irgendwie hat ja jeder heutzutage ein Blog. Okay, viele nur für einen Tag oder einige Einträge. Aber es gibt auch erstaunlich viele Blogger, die regelmäßig ihren Pflichten ihrer Arbeit nachkommen. Obwohl, vielleicht ist Pflicht doch das richtige Wort. Denn: Hat man sich erst eine Zielgruppe oder Leserschaft erkämpft, gilt es diese zu hegen und zu pflegen.

Pflegen will ich mein Blog so oder so – ob ich das letzten Endes schaffe, steht freilich auf einem anderen Blatt. Ich möchte an dieser Stelle ganz unverdeckt auf das Bild ganz Oben und den Namen dieses Weblogs hinweisen. “Verplant”. Ja, ich bin verplant. Verpeilt. Ziemlich konfus. Bisweilen konsterniert. Angeblich auch kopflos. Verwirrt und auch benebelt ob meiner Selbst oder einer Situation. Kurzum: Es kommt oft genug vor, dass ich mich dabei ertappe, vorübergehend die Kontrolle über Kinnlade und Mundregion verloren zu haben. Aber kann man es mir (oder irgendjemandem) verübeln, dass er in diesen Tagen auf dieser Welt den Durchblick verliert? Ist es nicht vielmehr so, dass beinahe jeder angesichts der unzähligen kruden oder komischen Situationen im Alltag die Fassung verliert? Ich denke: ja. Und so gibt es im Wesentlichen zwei Gründe für die Namenswahl “Verplant”: Natürlich, ich verpeile so einiges. Wirrkopf, Schussel – das bekam ich im negativen wie positiven Sinn oft zu hören. Andererseits kann ich dasselbe der Welt vorwerfen: Verplant, konfus! Hier im Blog kommt beides zusammen. Meine Sicht der Dinge, meine kopflosen Gedankengänge aber auch die tatsächlich konfusen Vorgänge auf der Welt. In diesem Sinne werde ich versuchen, im Bewusstsein meiner eigenen Fehler dennoch auf andere Fehler hinzuweisen. Last but not least ist es aber auch eine Art Tagebuch, dass ich führen will. Für gelegentliche Banalitäten übernehme ich keine Haftung!